Vom Fragezeichen zum Aha-Moment
Warum bleibt Farbe beim Drucken genau dort haften, wo sie soll – und warum nicht überall? Mit dieser Konfrontationsaufgabe starteten die Mediamatik-Lernenden in ein fächerübergreifendes Lernsetting, das Chemie und Design miteinander verband. Die Idee dazu entstand im Lehrbetrieb: Die Berufsbildnerin Karin Alghisi aus der Designabteilung wollte das Prinzip des Offsetdrucks nicht nur erklären, sondern anhand einer Lithografie für die Lernenden erlebbar machen. «Das war für mich bereits der Aha-Moment», sagt Livio Lehmann, Lernender im 2. Lehrjahr. «Weil wir mit einem Problem aus der Praxis gestartet sind, habe ich von Anfang an verstanden, wozu die Chemie dahinter wichtig ist.»
Gemeinsam mit der Chemie-Lernbegleitung Daniel Böhringer wurde das Phänomen zunächst theoretisch erarbeitet. Die Lernenden setzten sich mit dem Prinzip der Polarität von Lösungsmitteln auseinander und untersuchten die molekularen Eigenschaften von Wasser und Öl – zwei Stoffen, die im Offsetdruck als Feuchtmittel und Bestandteile von Druckfarben eine zentrale Rolle spielen.
Vom Schulzimmer an die Druckmaschine
Nach der Theorie folgte die Praxis: Im Lehrbetrieb konnten die Lernenden mit Hilfe von Daniel Böhringer, Karin Alghisi und Rosa Maria Ventre, das Prinzip des Offsetdrucks 1:1 erleben. Sie beobachteten, wie sich Wasser und Farbe auf der Druckplatte verhalten und weshalb die Farbe nur an bestimmten Stellen haftet. Mara Studach, Lernende 2. Lehrjahr, zeigte sich beeindruckt von der praktischen Umsetzung: «Mich hat erstaunt, dass man mit einfachen Küchenutensilien so schnell eine Druckvorlage herstellen kann, die tatsächlich funktioniert. Besonders überraschend war für mich, dass ein Süssgetränk die Aluminiumfolie so verändert, dass sie keine Farbe mehr aufnimmt.» Ebenso schön war zu beobachten, wie ein gelungener Druck zu sichtbarer Freude und echtem Stolz führte.
Wenn Naturgesetze den Alltag erklären
Aufbauend auf diesen Erfahrungen beschäftigen sich die Lernenden nun mit den zwischenmolekularen Kräften. Sie lernen zu erklären, weshalb Wasser Tropfen bildet oder warum sich Öl und Essig in einer Salatsauce immer wieder voneinander trennen. Was im Alltag selbstverständlich erscheint, lässt sich mit naturwissenschaftlichen Modellen beschreiben – und findet gleichzeitig Anwendung in verschiedenen Druckverfahren.